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Interview | Teil 1

KI: Eine neue Universaltechnologie

Im Interview mit dem dotmagazine gibt Ingobert Veith von HUAWEI Einblicke in die Vorteile von KI, zusammen mit 5G- und IoT-Technologien – für Einsatzbereiche von Netzwerken über autonomes Fahren bis hin zum Kampf gegen Covid-19.

Wie nutzt Huawei KI? Welche geschäftlichen Herausforderungen lösen Sie damit?

Ingobert Veith: Die Welt steht vor einem sozialen und wirtschaftlichen Umbruch, der von Künstlicher Intelligenz (KI) angetrieben wird. Intelligent Computing wandelt sich zu einer neuen produktiven Kraft, deren Daten zu einer neuen elementaren Ressource werden. 5G, AI und Cloud Computing sind entscheidende Produktionstools und ermöglichen die digitale Transformation Tausender Branchen. Ich gehe davon aus, dass KI in allen sozialen und wirtschaftlichen Bereichen als wichtiger Motor für Fortschritt und Entwicklung auf globaler Ebene zum Einsatz kommen wird, etwa für Industrie 4.0. KI verbessert die menschlichen Fähigkeiten, indem viele Routineaufgaben automatisiert werden.

Unternehmen sind von Natur aus vielfältig, stehen aber sehr oft vor den gleichen Herausforderungen wie Produktivität, Effizienz und Kosten. Hierfür gibt es zahlreiche Beispiele: So können Unternehmen mit KI eine erstklassige Kundenbetreuung über mehrere Kanäle anbieten und dadurch ihre Mitarbeiter entlasten. Oder wenn ein Traktor von KI gesteuert wird, kann er rund um die Uhr betrieben werden und den Menschen das Arbeiten in rauer Umgebung abnehmen.

Bei Huawei sehen wir KI als eine neue Universaltechnologie, vergleichbar mit der Eisenbahn oder Elektrizität im 19. Jahrhundert bzw. mit Automobilen, Computern oder dem Internet im 20. Jahrhundert. Deshalb investiert Huawei in Grundlagenforschung zum Thema KI und entwickelt zentrale KI-Komponenten – darunter Chipsätze, Hardwarelösungen für jedes Szenario sowie Full-Stack-Software –, die synergetische KI-Anwendungen für die dezentrale Datenverarbeitung in der Cloud ermöglichen. Diese einheitliche und effiziente Architektur bietet umfangreiche und wirtschaftliche Rechenressourcen. Ebenso wie bei unseren anderen Technologien setzen wir KI auch in unserem eigenen digitalen Transformationsprozess ein: Huawei nutzt KI unter anderem, um seine Verwaltung zu automatisieren und um mittels eines unternehmensweiten Online-Übersetzers die Arbeitseffizienz der weltweiten Belegschaft zu steigern.

Von Smart City über Smart Factory bis hin zum Smart Home – in welchen Branchen und Anwendungsfällen sehen Sie die größten Chancen für KI?

Veith: Aus der Sicht von Huawei kann KI in sämtlichen Sparten – wie nachstehend aufgelistet – und darüber hinaus angewendet werden. In China arbeitet Huawei mit Telekommunikationsdienstleistern, lokalen Behörden, der Wirtschaft sowie mit Partnern in vielen Bereichen zusammen, beispielsweise in der Verkehrsüberwachung (Fahrzeugerfassung), Datenanalyse, elektronischen Archivierung, oder bei Smart Grids. In vielen Fällen zeigt sich die Stärke der KI in ihrer Fähigkeit, das menschliche Auge durch industrielle Bildverarbeitung – maschinelles Sehen – zu ersetzen, sowie in KI-Algorithmen zur Lagebeurteilung.

Auch in Deutschland mit seinen vielen hoch entwickelten Branchen sehe ich großes Potenzial. Zum Beispiel auf dem Gebiet

  • autonomes Fahren: Dabei tragen KI-Ressourcen durch die Kombination aus intelligenter Datenverarbeitung im Auto und Netzwerk- wie auch Cloud-Ressourcen dazu bei, Automatisierungsgrade der Stufe 3 und darüber zu erreichen.

  • intelligente Fertigung: Diese erstreckt sich von der präventiven Wartung über die kollaborative Mensch-Maschine-Interaktion bis hin zur automatisierten Qualitätskontrolle.

  • intelligente Landwirtschaft: Hier kann KI bei der Schädlingsbekämpfung, Bewässerung usw. unterstützen.

  • E-Health/intelligente medizinische Versorgung: Hierzu zählt KI-gestützte Computertomografie (CT) zur Diagnose von Erkrankungen wie etwa Covid-19, um ein gegenwärtig bedeutsames Beispiel zu nennen – auf dieses Thema komme ich später noch zurück. Ein weiterer vielversprechender Anwendungsbereich ist das sogenannte Cardiac Modelling.

Darüber hinaus ermöglicht KI den automatisierten Mobilfunkbetrieb und Energieeinsparungen, die insbesondere für Netzbetreiber von Interesse sind. Bei Huawei haben wir die eingebettete KI bereits in unseren High-End-Smartphones sowohl zur Verbesserung der intelligenten Fotografie wie auch in Form von intelligenten LAN-Switches für Rechenzentren etabliert, während die Weiterentwicklung der KI in Kommunikationsprodukten für den Mainstream noch bevorsteht. Entsprechend befindet sich Huaweis KI-Computing in Deutschland also noch in einem frühen Stadium.

Ob Demografie, Digitalisierung oder Klimawandel – wo sehen Sie die Chance für KI, einen Beitrag zur Lösung der großen wirtschaftlichen und sozialen Herausforderungen zu leisten, vor denen wir derzeit stehen?

Veith: KI ist der konsequente nächste Schritt im Prozess der Digitalisierung. Sie hat das Potenzial, viele grundlegende aktuelle und zukünftige Herausforderungen zu bewältigen. Während sich mittels Digitalisierung die physische Realität erkennen und als digitaler Zwilling abbilden lässt, können wir mit KI die Datenwissenschaft automatisieren und Entscheidungsalgorithmen entwickeln. Es ist wahrscheinlich unmöglich, einen umfassenden Überblick über alle potenziellen Lösungen zu bieten, deshalb beschränke ich mich auf einige Schlüsselanwendungen:

  • KI ermöglicht es, Müll effizienter zu trennen. Dies kann dazu beitragen, Ressourcen nachhaltiger zu nutzen und die CO2-Emissionen zu senken.

  • KI kann dabei helfen, die Umwelt zu überwachen und zu schützen. Zum Beispiel können Videos und Bilder, die Mitarbeiter vor Ort mit ihren Smartphones aufgenommen haben, auf KI-Plattformen hochgeladen werden, die dann automatisch schwimmende Objekte in einem Fluss oder Veränderungen in anderen Gewässern erkennen. Diese Funktion eignet sich auch für Satellitenscans und sonstiges Bildmaterial.

  • Intelligente Roboter können den Bedarf an menschlichem Personal in risikoreichen Umgebungen oder für monotone Aufgaben verringern.

  • Intelligente Assistenten ermöglichen automatisches Einparken und erhöhen die allgemeine Verkehrssicherheit.

Da KI jedoch eine enorme Rechenleistung erfordert, ist der Energieverbrauch für intelligentes Computing eine große zukünftige Herausforderung. Huawei entwickelte einen 2 Tera Operations per Second (TOPS) je Watt Chipsatz, um dieses Problem anzugehen.

Huawei implementiert KI in seinen Netzwerktechnologien: Wie wird das umgesetzt?

Veith: KI spielt heute bereits eine wichtige Rolle in unseren Netzwerktechnologien. In Zukunft wird sie, vor allem für 5G, sogar unverzichtbar werden und die Digitalisierung der gesamten Branche ermöglichen. Dafür gibt es hauptsächlich drei Gründe, die nachfolgend kurz zusammengefasst sind:

  • Erstens trägt die Anwendung von KI in Mobilfunknetzen dazu bei, eine flexible Autonomie des 5G-Netzbetriebs zu erreichen und die Netzwerkleistung kontinuierlich zu verbessern. Darüber hinaus unterstützt sie bei der Verringerung des Energieverbrauchs.

  • Zweitens vereinfachen KI-Anwendungen sowohl den Netzwerkbetrieb als auch die -wartung und beschleunigen die Bereitstellung vor Ort. Die automatisierte Bestandsaufnahme und Upgradeplanung beschleunigen den Prozess um mehr als 80% im Vergleich zur herkömmlichen Bereitstellung.

  • Drittens eignet sich KI für den Einsatz auf Serviceebene, um vorgegebene Ende-zu-Ende-Netzwerkdienste bereitzustellen, die in einer Vielzahl von Branchen benötigt werden. Wie bereits erwähnt: Auch einfache Produkte wie Ethernet-Switches lassen sich mit eingebetteter KI deutlich verbessern.


Dies ist der erste Teil einer Übersetzung eines im Mai 2020 im englischsprachigen dotmagazine erschienen Interviews. Das Original finden Sie hier.

Ingobert Veith verantwortet den Bereich Public Policy bei Huawei in Deutschland. Den Schwerpunkt seiner Arbeit bilden u.a. politische und regulatorische Fragestellungen zum Ausbau digitaler Infrastrukturen. Dazu bringt sich Herr Veith regelmäßig in entsprechenden Gremien ein, wie z.B. als Vorsitzender des Arbeitskreises Kommunikationstechnologien des BITKOM oder als Mitglieds des Gesamtvorstandes der Initiative D21. Zuvor begleitete Herr Veith als Senior Berater bei der Prognos AG Infrastrukturvorhaben in der Energie- und Gaswirtschaft.



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