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E-Health

Trend zur Telemedizin wächst

Videosprechstunden machen die Fahrt zum Arzt und stundenlanges Sitzen im Wartezimmer überflüssig – ein unschätzbarer Vorteil in Zeiten einer Pandemie.

„Ich teile mal eben meinen Bildschirm“ – für viele Menschen, die im Homeoffice arbeiten, ein mittlerweile vertrauter Satz. Wenn Covid-19 einen positiven Effekt hatte, dann ist es die steile Lernkurve bei der Nutzung digitaler Hilfsmittel. Seit dem ersten Lockdown im Frühjahr 2020 führen wir plötzlich wie selbstverständlich Videokonferenzen, bearbeiten Dokumente gemeinsam in der Cloud und erledigen alles Mögliche online, wozu wir bislang das Haus verlassen mussten. Auch die Generation 65+ hat Videocalls für sich entdeckt, um in Zeiten strikter Kontaktbeschränkungen mit der Familie in Kontakt zu bleiben.

Digitale Alternative zum vollen Wartezimmer

Parallel sei in dieser Altersgruppe auch die Bereitschaft gestiegen, sich von ihrem Arzt online beraten zu lassen, so die Marktforscher von Deloitte in ihrer Studie „Technology, Media, and Telecommunications Predictions 2021“. Die Vorteile liegen auf der Hand: Für eine Videokonsultation muss man nicht das Haus verlassen, eine Erleichterung vor allem für gebrechliche Menschen. Fahrtkosten fallen weg. Man verschwendet keine Zeit mehr in Wartezimmern, steckt dort keine Mitwartenden, Ärzte oder Mitarbeiter an – oder wird gar selbst angesteckt. 85 Prozent der Menschen sorgen sich laut einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom vor einer Infektion mit Covid-19 in der Arztpraxis.

Termine lassen sich schnell per Mausklick buchen, anstatt in der Telefonwarteschleife zu hängen. Auch eine Zweitmeinung ist schneller eingeholt. Zudem lässt sich mit Telemedizin die Versorgung von Patienten auf dem von Ärztemangel geplagten Land ergänzen – sofern die technischen Voraussetzungen gegeben sind.

Was versteht man unter Telemedizin?

Die EU-Kommission definiert Telemedizin als Bereitstellung von Gesundheitsdiensten mithilfe von Informations- und Telekommunikationstechnologie für den Fall, dass Patient und Arzt nicht am selben Ort sind. Voraussetzung: eine sichere Übertragung medizinischer Daten und Informationen für die Prävention, Diagnose, Behandlung und Weiterbetreuung von Patienten in Form von Text, Ton und Bild oder in anderer Form. Zu den Dienstleistungen zählen u. a. Teleradiologie, Telepathologie, Teledermatologie, Telekonsultation, Telemonitoring, Telechirurgie und Tele-Ophthalmologie. (Quelle: PDF)



Laut Bitkom hat bereits jeder achte Befragte nach Beginn der Pandemie eine Videosprechstunde mit einem Arzt oder Therapeuten wahrgenommen. „Wir gehen davon aus, dass der Anteil der Arztbesuche, die per Video durchgeführt werden, im Jahr 2021 weltweit auf fünf Prozent ansteigen wird – gegenüber einem Prozent im Jahr 2019“, prognostizieren die Wirtschaftsprüfer von Deloitte. In den USA sei im April 2020 beispielsweise 44 Prozent der Primärversorgung über Telefon, E-Mail oder Video erfolgt; vor der Pandemie habe diese Zahl bei nur 0,1 Prozent gelegen.

Deutschland hinkt im internationalen Vergleich hinterher

Die Bertelsmann Stiftung hat 2020 in ihrer vergleichenden Untersuchung „#SmartHealthSystems“ Einsatz und Nutzung der Telemedizin in 17 Ländern analysiert. In Dänemark, Estland, den Niederlanden, Portugal und Schweden ist sie demnach fester Bestandteil der gesundheitspolitischen Planung. Videosprechstunden gehören in Dänemark, Israel und den Niederlanden zur Regelversorgung.

Und in Deutschland? Die Weichen sind zumindest gestellt: 2018 hatte die Bundesärztekammer auf dem Deutschen Ärztetag das Verbot der ausschließlichen Fernbehandlung gelockert – und damit den Weg für die Videosprechstunde frei gemacht. 2020 hob auch die Kassenärztliche Bundesvereinigung die Begrenzungsregelungen für Videosprechstunden auf.

Telemedizin braucht schnelleren Breitbandausbau

Dennoch stehe Deutschland noch vor einigen Herausforderungen, so die Bertelsmann-Studie. Problemfelder unter anderem:

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Damit die Videosprechstunde hierzulande ein Kernelement der Versorgung werden könne, müssten die infrastrukturellen Voraussetzungen geschaffen werden, so die Stiftung. Dazu zählen demnach der Breitbandausbau und die Anbindung weiterer telemedizinischer Anwendungen an die Telematik-Infrastruktur.

„Ein Wunsch meinerseits: eine stabile Internetverbindung. WLAN, beispielsweise in Pflegeheimen, würde den Einsatz der Telemedizin vereinfachen.“ – Dr. Jens-Uwe Lipfert, Facharzt für Allgemeinmedizin, Chirotherapie und Palliativmedizin, im Gespräch mit TK.de)



Eine optimale Videosprechstunde mit hochauflösendem, ruckelfreiem Bild und Ton erfordert eine flächendeckende Versorgung mit stabilem, leistungsstarkem Mobilfunk. Viele Hoffnungen ruhen auf der 5G-Technologie, die hohe Reichweiten und Bandbreiten sowie niedrige Latenzen verspricht – auch in ländlichen Gebieten. Darüber hinaus kann 5G auch auf dem Campus und innerhalb von Krankenhäusern klinische Abläufe verbessern. An der Uniklinik Bonn beispielsweise sorgt ein 5G-Campusnetz für eine schnelle Übertragung großer Datenmengen und einen einfacheren Austausch der verschiedenen medizinischen Fachrichtungen, was insbesondere die Behandlung von Notfallpatienten erleichtert. Allein die mobile, interaktive Inspektion von am Campus zentral gespeicherten, umfangreichen Diagnosedaten von CTs und MRTs kann die Abstimmung zwischen Arzt und Patient am Krankenbett massiv unterstützen. Lange Genehmigungsverfahren für Antennenstandorte und hohe Kosten für Mobilfunkmasten bremsen jedoch den schnellen 5G-Ausbau in Deutschland.

Wird Telemedizin – ähnlich wie Homeoffice-Regelungen und Videokonferenzen – auch nach Covid-19 zu einer Gewohnheit? Deloitte jedenfalls wagt eine optimistische Prognose: Auch wenn Videokonsultationen den persönlichen Arztbesuch nie vollständig ersetzen könnten, würden sie doch im Laufe der Zeit ebenso normal und akzeptiert wie der Besuch einer Arztpraxis heute.


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