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Diagnose: Akuter Mangel an Vitamin D

Das deutsche Gesundheitswesen leidet an einem Mangel an Digitalisierung. Doch es gibt Ausnahmen. Einige Krankenhäuser belegen im Bereich E-Health Spitzenplätze – dank elektronischer Patientenakte, Künstlicher Intelligenz und operierender Roboter.

Leichtes Summen, gelegentliches Piepen. Über dem Bauch eines Patienten bewegen sich vier krakenartige Arme hin und her – Roboter „DaVinci“ entfernt einen Tumor in der Bauchspeicheldrüse. Kein Händezittern, präziser als jeder Chirurg. Doch der Roboter führt die Operation nicht allein durch und macht auch keine eigenständigen Bewegungen, sondern ist eine Art verlängerter Arm eines Arztes. „DaVinci“ überträgt die natürlichen Bewegungen des Chirurgen, der an der Steuerkonsole des Systems sitzt. Auf einem Bildschirm kann der Arzt dank eines vergrößerten 3-D-Bilds selbst feine Strukturen wie Nerven und Gefäße erkennen.

E-Health: Deutschland hinkt bei Digitalisierung hinterher

Während im Smart Hospital schon heute Roboter bei Operationen unterstützen und Künstliche Intelligenz (KI) im Kampf gegen Krebs hilft, stammt der gelegentliche Piepton in vielen anderen, noch ziemlich analogen Kliniken höchstens vom Faxgerät. Gleich daneben stapeln sich immer noch die Papierakten. Beim Thema E-Health schneiden deutsche Krankenhäuser eher bescheiden ab. „Im internationalen Vergleich hinkt Deutschland bei der Digitalisierung im Gesundheitswesen inzwischen deutlich hinterher“, bestätigen die Autoren der Studie „Krankenhaus-Report 2019 – Das digitale Krankenhaus“. Laut EMRAM (Electronic Medical Record Adoption Model) – einem Modell zur Messung des Digitalisierungsgrads innerhalb eines Krankenhauses – sind 40 Prozent der rund 2.000 Krankenhäuser in Deutschland überhaupt nicht digitalisiert. Demnach erreichen aktuell lediglich zwei Krankenhäuser Stufe 6 der 7-stufigen Skala: die Medius Klinik Nürtingen und das Agaplesion Diakonieklinikum Rotenburg.

„Nur wenn wir die Chancen der Digitalisierung nutzen, können wir die Patientenversorgung besser machen.“ – Bundesgesundheitsminister Jens Spahn in der „WirtschaftsWoche“

Elektronische Patientenakte kommt 2021

In den Jahren 2012 bis 2015 erreichte das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) die EMRAM-Stufe 7, wurde danach aber aufgrund erweiterter Kriterien auf Stufe 5 herabgestuft. 2011 hatte das UKE als erstes Universitätsklinikum in Europa die elektronische Patientenakte (ePA) für das gesamte Krankenhaus eingeführt. Dem Krankenhaus-Report 2019 zufolge haben sich in Deutschland bislang 167 Krankenhäuser der Überprüfung durch dieses Modell unterzogen. „Die Digitalisierung in deutschen Krankenhäusern steckt noch in den Kinderschuhen“, resümieren die Autoren der Studie.

Künstliche Intelligenz im Gesundheitswesen

KI ist nach Angaben der Studie „Sherlock in Health“ des Beratungsunternehmens PwC gerade im Bereich Gesundheit die Schlüsseltechnologie der Zukunft. Demnach zeigen sich 64 Prozent der befragten Entscheider davon überzeugt, dass KI das deutsche Gesundheitssystem grundlegend verändern wird. 30 Prozent der deutschen CEOs im Gesundheitswesen setzen KI bereits ein. 54 Prozent der Menschen weltweit sind bereit, sich auf KI und Robotik einzulassen.

Die elektronische Patientenakte soll Patienten in Deutschland ab 2021 flächendeckend zur Verfügung stehen – und ein Kernstück der Digitalisierung des Gesundheitswesens werden. „Wenn die elektronische Patientenakte erst einmal eingeführt ist, wird das eine gewaltige Dynamik auslösen. Mit vielen ergänzenden App-Angeboten, etwa zur Beratung, oder mit Präventionsangeboten“, so Bundesgesundheitsminister Jens Spahn auf einer Infoseite des Ministeriums. In der Patientenakte werden in Zukunft etwa Befunde, Diagnosen, elektronische Arztbriefe und weitere Gesundheitsdaten gespeichert, wenn der Patient dies wünscht.

Chancen durch Digitalisierung im Gesundheitswesen

Die Digitalisierung im Gesundheitswesen bietet indes großes Potenzial – für Patienten und Kliniken gleichermaßen. Die Studie „Digitalisierung in der Gesundheitswirtschaft“ der Personalberatung Rochus Mummert kommt zu dem Schluss, dass Unternehmen durch den Einsatz digitaler Anwendungen wie der elektronischen Patientenakte oder Künstlicher Intelligenz

  • die Behandlungsqualität steigern,
  • die Prozesseffizienz erhöhen,
  • die Kosten reduzieren,
  • die Auslastung optimieren und
  • die Verweildauer reduzieren können.

Nicht zuletzt könnten digital fortschrittliche Häuser im Werben um Fachkräfte die besseren Karten haben. „Nach meinen persönlichen Erfahrungen suchen sich junge Bewerber insbesondere die Häuser aus, die über entsprechende Systeme verfügen“, berichtete Dr. Jens Peter Hölzen, Bereichsleiter der roboterassistierten Chirurgie an der Uniklinik Münster, im Gespräch mit der Internetplattform „Operation Karriere“.

E-Health-Vorreiter: Krankenhäuser mit hohem Digitalisierungsgrad

Der digitale Wandel in Deutschland verläuft zwar schleppend, doch einige Einrichtungen sind in puncto E-Health schon deutlich weiter. Künstliche Intelligenz und andere technologische Anwendungen für die Medizin kommen hier längst zum Einsatz. Vier Beispiele zeigen, wie E-Health die Qualität in der Gesundheitsbranche erhöhen und die Versorgung verbessern kann.

1. Universitätsklinikum Essen

Künstliche Intelligenz im Kampf gegen den Krebs, operierende Roboter und 3-D-Karten vom Herz: Das Krankenhaus in Essen ist ein digitaler Vorreiter, gilt als erstes „Smart Hospital“ in Deutschland. „Das Smart Hospital ist ein intelligent arbeitendes Krankenhaus der Zukunft“, betont Professor Jochen Werner, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender in einem Video des Technikportals Futurezone, das in Essen eine Live-OP mit einem Roboter begleitete. KI kommt unter anderem in der Röntgendiagnostik zum Einsatz: Nach Angaben der Klinik übersehen die Systeme im Gegensatz zum Menschen kein Detail einer CT-Aufnahme. Diagnosen erfolgen zudem bereits heute nicht nur schneller, sondern sind dank KI auch wesentlich umfassender. Die Klinik sieht die Digitalisierung als Instrument, um Herausforderungen wie die demografische Entwicklung, eine zunehmende Ökonomisierung des Gesundheitswesens und zum Beispiel den Pflegenotstand meistern zu können.

2. Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE)

Das UKE hat schon sehr früh erkannt, dass die Digitalisierung den medizinischen Alltag grundlegend verändern wird. Ende der 90er-Jahre verzeichnete das UKE in seiner Bilanz noch einen deutlichen Verlust. Dank einer radikalen Digitalisierung gelang der Einrichtung jedoch die Wende und sie erreichte im Jahr 2010 ein ausgeglichenes Ergebnis. Die elektronische Patientenakte, Assistenzsysteme für den Warentransport oder eine automatisierte Materialbestellung machen das UKE zu einem digitalen Vorreiter. Nach Angaben des Klinikums ist die Fehlerquote dank digitaler Lösungen drastisch gesunken. Zudem konnten Pflegekräfte von eher anspruchslosen Tätigkeiten entlastet werden. Die eingeleiteten Maßnahmen zur Effizienzsteigerung, zusätzliche Betriebsmittel und mehr Patienten sorgten für einen wirtschaftlichen Aufschwung.

3. Medius Klinik Nürtingen

Die Medius Klinik Nürtingen arbeitet papierlos und weist einen hohen Digitalisierungsgrad auf. Laut EMRAM-Modell erreicht die Einrichtung als eine von nur zwei Kliniken in Deutschland Stufe 6 der 7-stufigen Skala. Um diese Stufe zu erreichen, muss etwa die klinische Dokumentation von Ärzten, Pflegekräften und anderen Therapeuten in einem Informationssystem abgebildet sein. Die Berufsgruppen müssen zudem auf ein klinisches System zur Entscheidungsunterstützung (CDSS) zurückgreifen können. Das Krankenhaus muss außerdem einen geschlossen digital arbeitenden Medikationsprozess vorweisen: Von der Verschreibung über die Dosierung bis zur Verabreichung von Medikamenten werden demnach alle Maßnahmen digital unterstützt, beispielsweise durch den Abgleich von Bar- oder QR-Codes.

4. Agaplesion Diakonieklinikum Rotenburg

Auch das Agaplesion Diakonieklinikum Rotenburg erreicht Stufe 6 des EMRAM-Modells. Das Krankenhaus nutzt zum Beispiel eine mobile Patientendokumentation. Ärzte und Pflegekräfte sind so in der Lage, viele medizinische Informationen direkt am Patientenbett zu erfassen. Mitarbeiter sparen dank der digitalen Dokumentation Zeit und sämtliche Daten stehen allen Beteiligten direkt zur Verfügung. Darüber hinaus werden Zugriffe durchweg genau protokolliert: So lässt sich jederzeit nachverfolgen, wann und von welchem Mitarbeiter Daten im Informationssystem geändert, hinzugefügt oder gelöscht wurden.



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